Die Hand einer Frau mit einem großen Verlobungsring

Das sind die schönsten Verlobungsringe 2026

For every you

9 Min.

© Unsplash/Jakob Owens

Verlobungsringe müssen drei Monatsgehälter kosten und mit hochkarätigen Diamanten besetzt sein? Vintage-Schmuck bringt Unglück in der kommenden Ehe? Wir räumen mit überholten Regeln auf und geben einen Trendausblick für künftige Designs moderner Brides-to-be.

Als die dritte Staffel von „Der Sommer, als ich schön wurde“ im vergangenen Jahr auf Prime Video erschien, wurde der darin ausgesuchte Verlobungsring von Protagonistin Belly sowohl in der Serie selbst als auch in den sozialen Medien vollkommen zerrissen. Er sei zu klein, gar winzig, hieß es. Ob der Bräutigam in spe seine Belly nicht wirklich liebe, weil er so geizig bei dem Mini-Steinchen war, fragten sich viele. Die Szenerie spiegelt das wieder, was man schon lange spürt: Verlobungsringe müssen groß sein, extra funkelnd und der Umgebung beweisen, wie viel der Diamant, vermeintlich als Pendant zur Liebe, dem Käufer oder der Käuferin wert sei. Dass ein Ring etwa drei Monatsgehälter kosten sollte, könnte daher in etwa hinkommen. Aber braucht man das?

Glaubt man Einschätzungen von Expert:innen und aktuellen Social-Media-Trends, könnten Verlobungsringe nun tatsächlich im Wandel stehen: weg vom Einheitsbrei hin zur Individualität. Immerhin war der Hype um große Klunker nicht schon immer so: Ein Ring als Zeichen der Liebe ist schon im alten Ägypten vergeben worden, damals selbstverständlich ohne Diamant, Gold oder sonstige wertvolle Kreationen. Im 9. Jahrhundert erkor Papst Nikolaus I. dann den Verlobungsring als Zeichen der Heiratsabsicht eines Mannes, der Trend ging damals schon zu Gold. Eine Änderung, die man schon länger wahrnimmt ist, dass Frauen immer mehr selbst bestimmen, was sie (zumindest hoffentlich) für immer tragen wollen. Was früher reine Männersache war, ist es eben heute nicht mehr, und Paare machen die Suche nach dem Ring für den neuen Lebensabschnitt zu einer gemeinsamen Aktivität. Unromantisch? Von wegen! Der Verlobungsring soll schließlich der oder dem Beschenkten ein ganzes Leben lang gefallen. Einen wichtigen Einfluss hat dabei natürlich auch Social Media – groß, größer, am größten scheint das Motto bei Influencer:innen und Stars zu sein. Aber lässt sich das auf die Allgemeinheit übertragen? Gar nicht so einfach, wie die von uns befragten Expert:innen klarmachen.

Diese Verlobungsringe liegen gerade im Trend

Kommt Ihnen das auch so vor? Alle Instagram-Feeds sehen gleich aus, alle Verlobungsringe dazu passend ebenso. Sie haben bestimmt 2025 unzählige ovale Diamanten gesehen, richtig? Der sogenannte 90210-Ring ging mehrmals auf TikTok viral, eine Verlobungsring-Monokultur war quasi die Folge und flutete jegliche For-you-Pages.

Diesen Trend bekräftigen auch Sebastian Schroeter, Geschäftsführer von Heldwein und Brand Manager der Pomellato Boutique, Christina Lagger, stellvertretende Bereichsleitung bei Dorotheum Juwelier, und Lea Betschart, Sortimentsmanagerin bei Bucherer. „Zu den aufstrebenden Favoriten gehört unter anderem der Ovalschliff. Er wird für seine harmonischen Proportionen und seine schmeichelnde Form geschätzt, die den Finger visuell länger wirken lassen. Ein weiteres Beispiel für einen herausragenden Schliff ist der Smaragdschliff, der für seine klaren Linien und seine stille Eleganz gefeiert wird. Der Stufenschliff wiederum sorgt für einen schlanken, architektonischen Look, der den modernen Minimalist:innen gut gefällt“, erläutert Betschart.

Abgesehen von diesem Trend ist der klassische runde Solitär nach wie vor eines der gefragtesten Modelle: Die 1886 eingeführte Sechs-Griff-Fassung von Tiffany & Co. prägt weiterhin das klassische Bild eines Verlobungsrings. Vier-Griff-Fassungen sind davon die etwas modernere, aber ebenso zeitlose Variante: „Ein einzelner funkelnder Brillant, der jede Frau zum Strahlen bringt“, bringt es Christina Lagger simpel auf den Punkt.

Zwei Frauenhände in durchsichtigen Handschuhen mit einem Verlobunsgring.
© Pexels/ Alisa Rossoshanska

Celebrity-Fokus bei der Ringwahl

2025 präsentierten zahlreiche Stars ihre riesigen Klunker: Cristiano Ronaldo soll laut Schätzungen einen gigantischen Diamanten mit über 30 Karat im Wert von zwei bis fünf Millionen Dollar für seine Verlobte Georgina Rodriguez ausgewählt haben, Taylor Swift zeigte sich mit einem Ring in antikem Schliff und einem Schätzungen zufolge zehn- bis 15-karätigen Diamanten im Wert von bis zu einer Million Dollar. Die Sängerinnen Dua Lipa und Miley Cyrus präsentierten beide einen Ring mit extrabreitem Goldband, und Zendaya enthüllte einen Diamantring mit einem ovalen Stein – allerdings horizontal eingefasst. Sie sehen also, auch Superstars setzten in der Vergangenheit auf ovale Formen, so groß wie möglich lautete hier die Devise.

Da man aber selten etwa eine Million Euro für den Verlobungsring ausgeben kann, könnte man meinen, dass die Ringe der Stars zwar als schön empfunden werden, aber unrealistisches Trendpotenzial aufweisen. Experte Sebastian Schroeter sieht allerdings vor allem einen länderspezifischen Unterschied zu den Celebritys: „In den USA sieht man sehr deutlich, dass Verlobungsringe von Prominenten sofort Trends auslösen. Wenn Taylor Swift einen bestimmten Schliff trägt, steigt die Nachfrage merklich und zwar oft innerhalb kurzer Zeit. Stars haben dort einen enormen Einfluss auf Kaufentscheidungen. In Europa funktioniert das etwas anders. Hier ist der Wunsch nach einem langlebigen Stück stärker ausgeprägt – viele suchen etwas, das den Charakter eines Erbstücks hat, nicht bloß den Trend eines Jahres. Trotzdem spüren wir natürlich, dass auch junge Menschen durch Social Media und Red-Carpet-Momente inspiriert werden. Sie kommen dann zu uns und fragen gezielt nach bestimmten Schliffen oder Fassungen, die sie bei Zendaya oder Dua Lipa gesehen haben. Der Unterschied ist nur: Bei uns wird diese Inspiration stärker mit einem langfristigen Qualitätsbewusstsein kombiniert.“

Christina Lagger ergänzt, dass viele zumindest mit der genauen Vorstellung der Partnerin oder des Partners den richtigen Ring finden wollen – und das ist eben, genau wie bei dem Beispiel der Stars oder wie der Kritik bei „Der Sommer, als ich schön wurde“ bewies, ein großer, funkelnder Stein. Gleichzeitig entsteht ein Gegentrend: Vor allem junge Paare suchen nach dem einen Ring, der die Persönlichkeit widerspiegelt und Individualität unterstreicht. Kein Abklatsch des Lieblingsstars, sondern eigene Vorstellungen, die den Ring von anderen abheben.

Individualität steht im Vordergrund

Was bedeutet das nun für die Designs speziell? Man wolle sich vom traditionellen Solitär lösen und etwas Persönlicheres wählen, so Lisa-Marie Zuna-Kratky vom Schmucklabel Wiener Glanz. Dafür kann man entweder direkt in einem Store Beratung finden oder aber mit Schmuckdesigner:innen den Ring ab dem ersten Schritt mitdesignen, das Metall, die Form und den Stein selbst wählen und beim Entstehungsprozess so von vorne bis hinten dabei sein. Die Expert:innen sehen außerdem vermehrt Interesse an Altschliffen, alltagstauglichen Versionen und Designs, die individuelle Details zulassen. Ein Ring mit Fingerabdrücken an der Innenseite, Gravuren, Ranken der Lieblingspflanze bei der Fassung – erlaubt ist jedenfalls, was gefällt und sich gefühlsmäßig von KI-generierter Massenware abhebt.

Ein weiterer großer Trend, der hier perfekt dazu passt: Vintage-Modelle. Früher hatte weitergegebener Schmuck den Ruf, altes Unglück der vorangegangenen Ehe weiterzugeben, doch diese Sorge besteht heutzutage nicht mehr. Viel eher sind Vintage-Verlobungsringe individuelle Schmuckstücke, Unikate, die bereits eine Geschichte erzählen. „Man schätzt die Nachhaltigkeit eines Schmuckstücks, das so besonders und unverwechselbar ist wie die oder der zukünftige Verlobte“, erklärt Christina Lagger von Dorotheum Juwelier. Außerdem spiegelt dieser Trend auch den aktuellen Zeitgeist wider, vermehrt auf die Umwelt zu achten, nicht bedingungslos immer mehr zu kaufen und aus Altem Neues zu machen. Immerhin sind die verwendeten Diamanten, Steine und Metalle zeitlos und immer eine Wertanlage.

Diamanten: Not always a girl’s best friend

Diamanten sind seit Langem die klassische Wahl bei Verlobungsringen – der älteste dokumentierte Verlobungsring mit Diamanten wurde 1477 von Erzherzog Maximilian von Österreich an Maria von Burgund vergeben. Einen richtigen Aufschwung erhielt der Diamant allerdings erst im 20. Jahrhundert durch Hollywoodstars und dank hervorragenden Marketings des funkelnden Steins. Doch Verlobungsringe wären nicht im Wandel, würde man nicht auch die Steine der Ringe hinterfragen. So weiß man heutzutage, dass man auf die Herkunft und verantwortungsvolle Beschaffung bei Diamanten achten sollte, zudem gibt es mit im Labor gezüchteten Diamanten eine kostengünstigere Alternative.

Dann gibt es allerdings noch eine ganz andere Option: bunte Edelsteine. Erinnern Sie sich noch, als Carrie Bradshaw skeptisch gegenüber einem birnenförmigen Diamanten auf einem Ring in Gelbgold war? Nun ja, moderne Paare würden dazu gerade, und vor allem in Zukunft laut Expert:innen, liebend gerne Ja sagen. Die junge Generation öffnet sich stärker für Farbsteine: Saphire, Rubine, Granat, Turmalin oder Champagnerdiamanten sind dabei Klassiker, aber dennoch etwas Besonderes. Vor allem ein Anstieg der Nachfrage bei Honigtönen und hellem Gelb fallen den Expert:innen vermehrt auf.

Trendausblick: Die schönsten Verlobungsringe für Brides-to-be

Auch wenn wir hier von Trends schreiben, geht es hier nicht um einen kurzen Zyklus pro Saison – Ringe sind nicht umsonst für die Ewigkeit gedacht. Doch Tendenzen für die kommenden Jahre lassen sich durchaus erkennen, die die Nachfrage verändern werden. Die Zukunft der Verlobungsringe lässt sich als divers und bunt zusammenfassen – eben individuell und dem eigenen Leben angepasst. Organische Modelle, wellenförmige Kurven, ausdrucksstarke Formen und skulpturale Ringe werden wohl ein großes Thema werden, genauso wie Steine in besonderen Formen. Zudem werden ovale Formen des Steins weitergedacht und umgemünzt auf generell längliche Formen, die den Finger großflächig bedecken und dabei den Finger optisch strecken.

Zudem dürften wohl Dua Lipa und Miley Cyrus einen neuen Trend losgetreten haben, dass sich Bold und Big nicht nur auf den Stein konzentrieren muss, sondern auch auf ein extrabreites Ringband, das besonders cool und modern wirkt. Diese Wahl unterstreicht zudem eine weitere Tendenz: Immer öfter tragen beide Partner:innen einen Verlobungsring. Hier kann ein breites Ringband, beispielsweise einmal mit und einmal ohne Stein, genau die richtige Wahl sein. Wichtig ist: Gewählt wird, was individuell gefällt, ganz ohne Hype.

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