Chrissi Buchmasser

Chrissi Buchmasser: (K)ein braves Kind

Chrissi Buchmasser, Jahrgang 1989, aufgewachsen in der steirischen Kabarett-Hochburg Straden, gab ihr Kabarett-Debüt 2021 beim renommierten Grazer Kleinkunstvogel und eroberte prompt den begehrten Publikumspreis.

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© GrubrArtConnection

Am 21. Februar 2024 tritt Chrissi Buchmasser bei „DIE Kabarett“ im kleinen theater in Salzburg auf – einem rein weiblichen Kabarett-Festival, dem bis dato einzigen im gesamten deutschsprachigen Raum. „Ich war ein braves Kind. Immer artig, immer freundlich“, beschreibt sich Chrissi Buchmasser selbst. In ihrem mehrfach ausgezeichneten Kabarett-Debüt „Braves Kind“ gibt sie nun schonungslos ehrliche Einblicke in das Leben einer jungen Frau, die es satt hat, brav zu sein. Wir haben die Newcomerin auf ein Gespräch getroffen und uns über ihre Karriere, das Thema Gleichberechtigung sowie ihre Zukunftspläne unterhalten.

Frau Buchmasser, wie sind Sie zum Kabarett gekommen?
Chrissi Buchmasser: Angefangen hat alles vor rund zwei Jahren bei einem Kabarett-Wettbewerb in Graz. Ich hatte davor schon sehr lange das Gefühl, dass Kabarett etwas für mich sein könnte, fand aber immer eine Ausrede. Keine Zeit, keine Bühnenerfahrung und wen interessiert es denn überhaupt, was ich zu sagen hab’? Dann bin ich aber über meinen Schatten gesprungen, habe mich beim Wettbewerb angemeldet, einen Text geschrieben, ihn geprobt und direkt den Publikumspreis gewonnen. Und da hab ich gemerkt: „Hoppla. Ich kann das ja. Und es macht mir Spaß!“ Daraufhin hab’ ich es intensiv weiter verfolgt und mittlerweile bin ich hauptberuflich Kabarettistin.

Sie geben in Ihrem Kabarett-Debüt ehrliche Einblicke in das Leben einer jungen Frau und in das Muttersein. Wie kommt es zum Titel „Braves Kind“ und was möchten Sie mit Ihrem Programm vermitteln?
Ich sage immer: Mein Programm ist nicht für Mütter gedacht, sondern für alle, die von einer geboren wurden. Ich beschreibe darin anhand vieler kleiner Alltagssituationen das Aufwachsen eines Mädchens zur jungen Frau bis sie selbst Mutter ist. Daraus entsteht nach und nach ein Bild dessen, wie sehr unser Geschlecht nach wie vor unseren Alltag beeinflusst und welchen absurden Situationen man als Frau immer wieder unfreiwillig gegenübersteht. Der Titel „Braves Kind“ schlägt die Brücke zwischen mir selbst als einst „braves Kind“ und dem Thema Mutterschaft.

Haben Sie sich immer schon mit dem Thema Gleichberechtigung beschäftigt?
Ehrlich gesagt: nein. Sehr lange dachte ich, wir sind doch längst gleichberechtigt, alle Türen stehen mir offen. Ich habe Sexismus, Bevormundung und Übergriffigkeit im Alltag sehr lange nicht erkannt beziehungsweise ignoriert, weil viele dieser „Kleinigkeiten“ in unserer Gesellschaft als „normal“ gegolten haben. Irgendwann habe ich dann verstanden, welche gravierenden Auswirkungen fehlende Gleichberechtigung auf den Alltag als Mädchen und Frau hat. Ich denke, so geht es momentan sehr vielen Frauen. Wenn man einmal das Problem sieht, kann man es nicht mehr ignorieren.


Was bedeutet es Ihnen, in Salzburg auftreten zu können?
Ich freue mich sehr, im Rahmen von „DIE Kabarett“ aufzutreten! Die Veranstaltung zeigt in geballter Form, was weibliches Kabarett zu bieten hat, in all seinen Facetten. Denn das ist das Schöne: Hier ist man nicht einfach nur „die Frau“ in einem Line-up voller Männer. Hier rücken stattdessen die individuellen Persönlichkeiten jeder Künstlerin in den Vordergrund.

Warum gibt es Ihrer Ansicht nach immer noch so wenig Kabarettistinnen? Was müsste sich ändern?
Es ist wie in allen männerdominierten Berufssparten: Sehr lange gab es nur sehr wenige weibliche Vorbilder, wenig Repräsentation und starke Männer-Netzwerke. All das hat es Frauen schwerer gemacht, in den Beruf einzusteigen. Wenn einmal wo eine Frau zu sehen war, dann eben nur eine neben vier bis fünf Männern. Diese Eine-Frau-Politik ist heute übrigens immer noch stark verbreitet – um das zu sehen, muss man nur kurz den Fernseher einschalten. Dabei hat sich die Situation in den letzten Jahren drastisch geändert! Immer mehr Frauen gehen mit großem Erfolg auf Kabarett- und Comedy-Bühnen und inspirieren dadurch wieder weitere. Aus meiner Sicht müsste noch bei vielen Veranstalter:innen und Programmgestalter:innen das Verständnis ankommen, dass es wichtig ist, Line-ups einigermaßen ausgewogen zu gestalten. Warum sollte eine Fernsehsendung die Geschlechterstruktur innerhalb der Kabarett-Branche abbilden und nicht vielmehr jene des Publikums?

Wie wichtig ist Humor im Leben?
Für mich: unverzichtbar. Humor hilft mir nicht nur, Dinge mit anderen Augen zu sehen, sie einzuordnen und leichter zu nehmen. Sondern es ist im Grunde noch viel einfacher: Humor bringt Spaß ins Leben. Was gibt es Schöneres, als mit anderen Menschen gemeinsam zu lachen?

Was möchten Sie Frauen mitgeben, die ebenfalls als Kabarettistin durchstarten möchten?
Neben naheliegenden Ratschlägen, wie viel schreiben, viel ausprobieren, viel auftreten würde ich besonders Frauen empfehlen, sich von Anfang an Gleichgesinnte in unserer Branche zu suchen und sich auszutauschen. Wir Frauen in der österreichischen Humorbranche sind mittlerweile sehr gut vernetzt, helfen und gönnen einander. Das ist unheimlich wertvoll, besonders als Newcomerin. Und wir freuen uns jederzeit über Zuwachs!

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MEHR ÜBER DIE AUTORIN DIESES BEITRAGS

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin von Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört gerne Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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