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Trauer in eigene Worte fassen: Interview mit einer Trauerrednerin

So wird aus einer Trauerfeier ein persönlicher Abschied

3 Min.

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Wie wird aus einer Trauerfeier ein persönlicher Abschied? Eine freie Trauerrednerin gibt Einblicke in ihre Arbeit und erzählt, warum neben Schmerz auch Liebe, Dankbarkeit und schöne Erinnerungen Platz haben.

Abschiednehmen ist etwas sehr persönliches …

… und genauso persönlich darf auch eine Trauerfeier sein. Wenn einem selbst die Worte fehlen, dann begleiten freie Trauerrednerinnen wie Doris Schier Angehörige dabei, einen geliebten Menschen auf individuelle Weise zu verabschieden – mit Worten, Bildern, Musik, Erinnerungen und kleinen Details, die sein oder ihr Leben ausgemacht haben.

Zuhören

Am Anfang steht das Trauergespräch. “Ich höre zu und mache mir Notizen, wenn die Zugehörigen von ihrem verstorbenen Menschen und der Beziehung zu ihm erzählen”, erklärt Trauerrednerin Doris Schier aus Schwechat. Sie hilft Menschen mit ihrer Arbeit in einer Phase, in der das Gefühlschaos oftmals überwältigt, die richtigen Worte für die Trauerfeier zu finden – sei es, indem sie diese selbst spricht oder indem sie beratend zur Seite steht. Neben Trauerreden für Menschen bietet Schier zudem verabschiedende Worte bei Tierbegräbnissen an. Was ihr in Gesprächen mit Angehörigen besonders wichtig ist: Es geht um gemeinsame Erlebnisse, besondere Eigenschaften, Geschichten und Momente, die in Erinnerung geblieben sind. Je nach gewünschtem Schwerpunkt kommen weitere Fragen dazu. Auch die Musik, persönliche Texte, Fotos oder Erinnerungsstücke können Teil der Feier werden.

“Das Ziel meiner Trauerfeiern ist, die lebendigen Erinnerungen und die bleibende Verbundenheit mit dem verstorbenen Menschen für die Anwesenden erlebbar zu machen.”

Doris Schier, Freie Trauerrednerin

Die richtigen Worte für Trauer finden

Die anspruchsvollste Arbeit beginnt danach: Aus den vielen persönlichen Eindrücken entsteht eine Rede, die dem verstorbenen Menschen gerecht werden soll und gleichzeitig frei gesprochen nicht länger als etwa 15 Minuten dauert. Auch die ausgewählte Musik hört sich die Trauerrednerin während der Vorbereitung immer wieder an, damit sie diese bei der Feier selbst nicht überwältigt. Dass eine Trauerfeier nicht ausschließlich traurig sein muss, ist ihr dabei besonders wichtig: “Wenn ein geliebter Mensch tot ist, sind die engsten Zugehörigen ja nicht durchgehend verzweifelt oder traurig.” Trauer sei ein Ausnahmezustand, in dem sich Gefühle schnell verändern können, so Schier. Neben Schmerz und Sehnsucht gibt es auch Liebe, Dankbarkeit und schöne Erinnerungen – manchmal sogar ein gemeinsames Lachen. All das darf seinen Platz haben: “Das Ziel meiner Trauerfeiern ist, die lebendigen Erinnerungen und die bleibende Verbundenheit mit dem verstorbenen Menschen für die Anwesenden erlebbar zu machen.”

Verbunden bleiben

Genau darin sieht sie auch ihre wichtigste Aufgabe: das einzigartige Wesen und facettenreiche Leben eines Menschen noch einmal in Erinnerung zu rufen. Und den Angehörigen zu vermitteln, dass die Liebe nicht mit dem Tod endet. Denn auch wenn man anschließend endgültig getrennt wird, kann man seinen geliebten Menschen weiterlieben, betont Doris Schier. Eine freie Trauerfeier bietet dafür besonders viel Raum. Trost wird hier nicht über den “Glauben an ein höheres Wesen oder ein Jenseits gesucht, sondern in bleibenden Erinnerungen und Gefühlen der Verbundenheit”, so Schier. Fotos, persönliche Gegenstände, Musik oder Beiträge von Familienmitgliedern können die Feier ergänzen. Entscheidend sei, dass sie persönlich ist, ohne zu privat zu werden – schließlich ist eine Trauerfeier auch eine öffentliche Form des Abschieds.

Doris Schier
© Privat

Nähere Infos über Doris Schier unter www.schwechat.gv.at/freie_trauerrednerin

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