Portraitfoto von Freeriderin Sandra Lahnsteiner-Wagner

Sandra Lahnsteiner-Wagner: Vom Mut der ersten Spur

Über mentale Stärke, Mut und Risiko

4 Min.

© Sandra Lahnsteiner-Wagner Christoph Oberschneider

Sandra Lahnsteiner-Wagner kennt das Gefühl, am Rande des Möglichen zu stehen – im Schnee, in der Karriere, im Leben. Die gebürtige Salzkammerguterin, die heute in Gastein lebt, hat ihren sicheren Job als Skitrainerin aufgegeben, um als Freeriderin ihren eigenen Weg zu gehen. Im Gespräch erzählt sie, wie sie Mut und Risiko in Einklang bringt, was mentale Stärke für sie bedeutet – und warum die erste Spur oft die wichtigste ist.

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Was war deine prägendste „erste Spur“ im Leben – abseits des Skifahrens?
Sandra Lahnsteiner-Wagner: Der Weg in die Selbstständigkeit. Der Moment, in dem ich bewusst entschieden habe, meinen Job als Trainerin aufzugeben, um Freeriderin zu werden und Filme zu machen. Das war für mich die prägendste und wichtigste „erste Spur“ – abseits jener Spuren, die ich zuvor schon gegangen bin. Dieser Schritt hat alles andere in meinem Leben beeinflusst.

Ist dir diese Entscheidung schwergefallen?
Nein, sie ist mir nicht schwergefallen, weil ich sehr lange darüber nachgedacht habe und mir ein stabiles Netzwerk aufgebaut hatte, das mir als Backup diente. Ich habe zuvor als Trainerin im alpinen Skisport gearbeitet – unter anderem als Privattrainerin für Anna Veith. Ich habe also nicht alles komplett hinter mir gelassen. Der Schritt war gut überlegt, und genau deshalb ist er mir nicht schwergefallen.

Wie bringst du Mut und Risiko in Einklang?
Ich werde oft gefragt, ob ich Angst habe. Ich denke, Angst ist etwas sehr Wichtiges. Zwischen Mut und Risiko gibt es für mich einen entscheidenden Zwischenschritt – die Planung.
In der Planung steckt viel Abwägung: neben Können und Motivation auch die Einschätzung äußerer Faktoren, die ich zum Teil natürlich nicht beeinflussen kann. Ich frage mich immer: Ist es sinnvoll, mutig zu sein? Und: Ist es eine Herausforderung, die ich wirklich annehmen möchte? Ich bin sehr intuitiv gesteuert, aber ich plane auch sorgfältig. Mit guter Vorbereitung kann man das Risiko minimieren – auch wenn natürlich immer ein Restrisiko bleibt.

Welche Rolle spielt mentale Stärke in Momenten, in denen du noch nicht weißt, wie der Weg verläuft?
Mentale Stärke hilft mir, Vertrauen zu behalten – in mich selbst, in meine Fähigkeiten und in den Prozess. Wenn der Weg unklar ist, versuche ich, im Moment zu bleiben und das zu akzeptieren, was gerade ist, anstatt alles kontrollieren zu wollen. So kann ich klarere Entscheidungen treffen.

Portraitfoto von Freeriderin Sandra Lahnsteiner-Wagner
© Sandra Lahnsteiner-Wagner Christoph Oberschneider

Was ist deine Strategie, um Fokus und Disziplin langfristig zu halten?
Neben dem ständigen Reflektieren meiner Arbeit gebe ich mir bewusst Freiraum für andere Projekte. Wenn ich viel auf den Skiern stehe, schaffe ich mir Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern. Und wenn ich intensiv an Projekten arbeite, gönne ich mir den Ausgleich in den Bergen.
Um in entscheidenden Momenten wirklich performen zu können, arbeite ich viel mit Atem- und Mentaltechniken, die ich als Mentaltrainerin gelernt habe. Sie helfen mir, meinen Fokus zu halten – um meine großen Visionen auch langfristig verfolgen zu können.

Welchen Tipp gibst du Menschen, die zwar eine Vision haben, aber zögern, den ersten Schritt zu machen?
Einfach machen! Den ersten Schritt wagen – aber nicht blauäugig. Wenn man eine Vision hat, hat man sich ja bereits Gedanken gemacht. Für mich ist eine Vision mehr als ein Traum:
Ein Traum ist etwas Vages – man sieht vielleicht das Ziel, weiß aber nicht, wie man dorthin kommt. Eine Vision dagegen ist klar. Ich weiß, dass ich konsequent dranbleiben muss und wie ich dieses Ziel erreichen kann.
Oft zögern wir, weil etwas unerreichbar scheint oder wir Angst haben, was andere denken könnten. Aber nur wenn wir losgehen – auch wenn es nicht perfekt ist – können wir wachsen und uns weiterentwickeln.

Was bedeutet Heimat für dich – und wo fühlst du dich am meisten zu Hause?
Heimat ist für mich der Ort, an dem man aufgewachsen ist – geprägt von den Menschen, den Eltern, der Kultur. Ich bin im Salzkammergut aufgewachsen, habe aber durch mein Studium in Salzburg gelebt und wohne jetzt in Gastein.
Hier fühle ich mich zu Hause: wegen der Menschen – meinem Ehemann, meinen Freund:innen – aber auch wegen der Umgebung, den Bergen, der Natur.

Welchen Ratschlag würdest du heute deinem 18-jährigen Ich geben?
Glaub an dich – und mach genau das, was du dir vorgenommen hast. Lass dich von niemandem aufhalten, der meint, es besser zu wissen als du selbst.

Infos zu den #shadesofwinter Camps von Sandra Lahnsteiner-Wagner unter www.shades-of-winter.com/camps

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Mehr Informationen
Wordrap mit Sandra Lahnsteiner Wagner / © Elisabeth Trauner – Unser SALZBURG

Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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