Influencerin Carina Spielberger

Influencerin Carina Spielberger ist die „Insta-Granny“

Man ist nie zu alt, um eine Influencerin zu sein.

7 Min.

© Jürgen Fuchs

Influencerin Carina Spielberger macht vor, wie man mit knapp 60 mit großartigen Fotos und Videos aus Graz zur Mikro-influencerin wird.

Mit knapp 9.300 Follower:innen und über 2.500 Beiträgen ist Carina Spielberger mit ihrem Instagram-Account @ihavethisthingwithgraz seit knapp 10 Jahren erfolgreich. Die Grazerin, die in Deutschland geboren und in der Südsteiermark aufgewachsen ist, arbeitet eigentlich bei einem Grazer Verlag. Bis zu 30 Stunden die Woche investiert sie aber in ihr Hobby: die Streetfotografie. Warum, erzählte sie uns im Interview.

Mit knapp 60 Jahren einen erfolgreichen Instagram-Account zu betreiben, ist eher ungewöhnlich.
Das stimmt, ich habe da auch schon lustige Reaktionen bekommen, das ist oft eine Überraschung für andere. Inzwischen gibt es ja etliche Graz-Accounts, die kommen und gehen. Aber ich bin immer noch da, ich bin ein bisschen die Insta-Granny. Im April habe ich gerade die 10.000 Follower:innen-Marke geknackt, und die sind wirklich alle organisch gewachsen.

Wie ist der Account entstanden?
Ich habe ursprünglich den Account @carispics angelegt und dann 2015 @ihavethisthingwithgraz begonnen, weil ich gemerkt habe, dass die Bilder aus Graz am besten ankommen. Generell war meine Motivation, mit der Zeit zu gehen, mich mit Social Media zu befassen, und fotografiert habe ich schon immer. Zuerst war ich auf Flickr, aber da fehlte mir der Austausch – auf Instagram war das von Anfang an viel stärker.

Hast du eine Fotografie-Ausbildung?
Nein, ich habe eine Grafikausbildung gemacht, aber noch zu einer Zeit ohne Computer. Wenn man Grafik gelernt hat, hat man auch den Blick für Schnitte und Motive. Ich glaube schon, dass ich so ein bisschen Talent dafür mitbringe. Und in letzter Zeit mache ich auch viele Videos, 90 bis 95 Prozent der Inhalte sind mit dem Handy gemacht.

Wer sind deine Follower:innen?
Vorwiegend sind es Grazer:innen, aber zum Beispiel auch Leute, die ihren Erasmus-Aufenthalt in Graz hatten. Die schreiben mir: „Ich war so gerne in Graz und ich vermisse die Stadt, durch deine Bilder erlebe ich das noch mal, danke.“ Ich schaue mir auch alle Profile an, weil mich interessiert, wer mir folgt – Spamaccounts sortiere ich immer aus. Mein Bestreben ist, dass auch für Einheimische immer wieder etwas Überraschendes dabei ist. Ich bekomme immer wieder Kommentare von Leuten, die seit Jahren hier leben und fragen: „Wo ist das? Von wo aus hast du diese Aufnahme gemacht?“

Wie findest du deine Motive?
Das ist bei mir ganz komisch. Ich sitze im Büro, denke überhaupt nicht an meinen Account und auf einmal kommt mir eine Idee: „Das musst du machen!“ Eine richtige Eingebung. Vor Kurzem habe ich die Bezirkstouren gestartet, der erste Bezirk war Geidorf. In den nächsten Monaten werde ich nach und nach jeden Grazer Bezirk vorstellen. Ich möchte auch Orte zeigen, die ich selbst nicht kannte, wie etwa die Jakobs­leiter. Ich möchte Stellen zeigen, die eben nicht jeder kennt, und die Leute motivieren, da auch mal hinzugehen. Das ist schon ein großes Projekt, ich bin seit letztem Jahr dafür unterwegs, deswegen sind auch Herbstimpressionen dabei.

Wie viel Arbeit steckt in einem Video?
Es ist schon sehr aufwendig, also für ein 8- bis 30-sekündiges Video reden wir von Stunden. Für mich ist auch die Musik essenziell. Ich höre immer ein bisschen auf den Text, wenn ich schnelle Schnitte habe, brauche ich schnelle Musik. Dann schaue ich, wo ich den Cut setze, wo in der Musik der Break ist. Seitdem der Videoschnitt so einfach ist, kann ich sagen: Mit fast 60 habe ich für mich etwas entdeckt, was mich glücklich macht. Ich habe so Spaß an diesem kreativen Prozess, die Dinge zusammenzusammeln, dann die Musik zu finden und das ansprechend zu gestalten, das ist echt eine Bereicherung in meinem Leben. Ich habe viel Zeit in meiner Freizeit – ich habe keinen Fernseher, das sagt ja alles.

Ist es sehr zeitaufwendig, den Account zu betreiben?
Für mich ist es nach 10 Jahren einfach ein Teil meines Lebens, wie Zähneputzen. Es ist automatisch, wenn ich irgendwo langgehe, bleib ich kurz stehen und mach ein Foto. Ich bin ständig aufnahmebereit und fokussiert, ich sehe Details, die andere nicht wahrnehmen, weil ich mit offenen Augen herumspaziere.

Wie viele Stunden pro Woche verbringst du mit deinem Account?
Unter der Woche am Abend, nach meiner Arbeit, poste ich meist ältere Sachen, das sind sicher jeden Tag eineinhalb bis zwei Stunden. Aber das ist für mich Entspannung. Und am Wochenende ist es viel mehr, da bin ich länger unterwegs, auch schon mal für Graz-Tourismus auf den Schöckl. Und danach wieder bearbeiten, schneiden, Musik suchen – so 30 Stunden pro Woche sind es sicher.

Hast du fotografische Vorbilder, die dich inspirieren?
Leopold Bude, weil er Stadtdokumentation gemacht hat und ich das ja auch in gewisser Weise mache. Ich bin jemand, der gern Dinge dokumentiert, damit man in 100 Jahren weiß, wie es vorher ausgesehen hat – zum Beispiel jetzt beim Projekt Vorklinik. Mich interessiert auch sehr, wie Orte früher ausgeschaut haben, das versuche ich in meinen Content auch manchmal einzubauen. Meine Herzensfotografin ist Vivian Maier, die hängt sogar bei mir über dem Küchentisch. Das war eine ganz schrullige Dame, sie war Kindermädchen in Chicago und hat fotografiert wie eine Irre. Erst nach ihrem Tod kamen unzählige unentwickelte Filmrollen zutage. Sie hat so wunderschöne Street-Fotos gemacht, in Wien gab es dazu 2018 eine große Ausstellung im Westlichtmuseum.

Planst du alle deine Bilder vor oder siehst du Motive auch oft zufällig?
Das hört sich jetzt witzig an, aber manchmal habe ich so ein Gefühl. Dann gehe ich einen anderen Weg, als ich normalerweise gehen würde, dann zieht es mich quasi irgendwo hin und da ist dann etwas, was ich unbedingt fotografieren muss. Zum Beispiel letztens beim „Klanglicht“ waren im Hof der Burg diese Bubbles – da hatte ich das Gefühl: „Heute gehst du einmal anders.“ Anscheinend soll ich so was dann immer sehen. Es ist wirklich spannend, wenn du von 100 Mal ein Mal dort gehst und da ist dann etwas Fotografierenswertes.

Wie wichtig ist dir dein Account?
Ich kann den Spruch bestätigen: „Instagram changed my life.“ Ich habe am Anfang keinen Plan gehabt, was das heißen soll, heute schon: Es sind so viele Möglichkeiten, gute Dinge, tolle Menschen in mein Leben gekommen, online wie offline. Ich bekomme so nette Rückmeldungen, das ist voll motivierend. Einfach, weil man weiß, man macht es nicht nur für sich, da draußen gibt es Leute, die Freude haben mit den Bildern. Ich habe auch andere Fotograf:innen kennengelernt, es ergibt sich immer wieder, dass man sich trifft. Und ich habe zwei Töchter mit Mitte/Ende 20, für mich ist einfach der Gedanke schön, dass mit meinen Fotos mal was von mir bleibt.

Du hast dich nie selbst auf deinem Profil gezeigt und bist lieber hinter der Kamera als davor. Wie kommt es, dass du jetzt ein bisschen deine Kamerascheuheit überwindest?
Ich fand das nicht so wichtig früher, aber ich habe in den letzten Jahren ein bisschen an mir gearbeitet und ich entwickle mich gerade persönlich stark weiter. Ich wäre gern schon vor 20 Jahren so gewesen. Aber ich mache jetzt das Beste draus, und das heißt auch, zu sich zu stehen und zu sagen, man ist so alt, wie man ist, man schaut aus, wie man ausschaut, und das gehört einfach dazu.

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Betina Petschauer
© Lizz Krobath/Prontolux

Betina Petschauer ist Redakteurin bei der STEIRERIN und hauptsächlich für die Ressorts Genuss, Leben, Freizeit, Menschen und Emotion zuständig. Als Foodie zieht sich die Leidenschaft für Essen und Trinken durch alle Bereiche ihres Lebens. Daneben schlägt ihr Herz für Serien, Filme und Bücher, die sie in der Rubrik „Alltagspause“ auch regelmäßig rezensiert.

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