Hans sitzt lachend auf einer ledernen Couch mit Backstein-Wand im Hintergrund.

Hans Knauß im persönlichen Gespräch

Ein Gespräch über Bodenständigkeit, Mut und die Liebe zu seiner Heimat Steiermark.

7 Min.

© Martin Schönbauer

Von außen betrachtet ist Hans Knauß niemand, der stillsteht: Skirennfahrer, Moderator, Motorsportler, Weltenbummler. Doch wer ihm begegnet, spürt sofort – dieser Mann weiß genau, wo er hingehört.

Wenn es Herbst wird und die Luft wieder kühler, dann beginnt für Hans Knauß die schönste Zeit des Jahres. „Sobald es kalt wird, kommt alles wieder in Bewegung. Der Skizirkus ruft, der Weltcup startet und gleichzeitig läuft bei mir im Kopf schon wieder der nächste Dreh für ‚Österreich vom Feinsten‘.“ Seine neue Sendung, erzählt der bekannte Moderator, sei bereits im Kasten. „Am 1. November geht sie on air – diesmal der oberösterreichische Teil vom Salzkammergut. Gedreht haben wir in Bad Ischl, davor war Osttirol dran. So arbeite ich mich quer durch Österreich – und das ist ein echtes Privileg.“

Denn auch wenn Knauß bereits viel von der Welt gesehen hat – sein Herz gehört der Heimat. „Ich bin jetzt 54 und hab früh gelernt, was die Welt zu bieten hat“, erzählt er. „Aber je mehr du siehst, desto mehr weißt du deinen eigenen Platz zu schätzen. Ich wohne in Schladming, da, wo ich aufgewachsen bin. Ich habe die Berge, die Natur, die Menschen – das ist mein Rückhalt.“

Visitenkarte des Skisports

Natürlich, über Skifahren zu sprechen, ist mit Hans Knauß unvermeidlich. Er hat es nicht nur perfektioniert, sondern auch zu einem Teil seiner Identität gemacht. „Der Skisport ist nach wie vor mein Leben. Und ich sehe Österreich da in einer einzigartigen Rolle. Wenn du irgendwo auf der Welt Ski fahren gehst – die Anlagen, die Pisten, die Qualität, das alles hat oft ein österreichisches Gütesiegel. Wir sind weltweit führend. Das ist unsere Visitenkarte.“

Trotzdem blickt der ehemalige Skirennläufer kritisch auf manche Entwicklungen: „Skifahren wird teurer, das stimmt. Aber wir müssen auch ehrlich sagen: Der Aufwand, diese Qualität zu halten, ist enorm. Früher haben wir auf vereisten Hängen trainiert, mit alten Sesselliften. Heute bekommst du perfekte Pisten, Sicherheit, Komfort. Und das kostet eben. Trotzdem – für Kinder und Einsteiger müssen wir unbedingt kleine Lifte erhalten. Das ist die Basis für die nächste Generation Skifahrer.“

Heimkommen

„Ich hab so viel gesehen, war in Kanada, in den USA, in Neuseeland. Alles wunderschön. Aber bei uns – da hast du auf kleinstem Raum alles. Vom 3000er bis zur Weinstraße in der Südsteiermark. Das ist einzigartig.“ Ob er jemals daran gedacht hat, woanders zu leben? „Nie ernsthaft. Ich bin gern unterwegs, aber ich bin noch viel lieber daheim. Das Gefühl, gern heimzukommen – das ist für mich Lebensqualität pur.“

Und diese Heimat genießt er auch bewusst. „Gestern war ein traumhafter Tag. Ich bin mit meiner Frau Barbara auf die Schladminger Planai gefahren, wir sind weiter auf den Seereszinken. Nur ein Berg weiter als die beliebteren Routen – und schon bist du allein. Das liebe ich. Und wenn ich Lust auf Gesellschaft habe, setze ich mich auf eine Hütte. Diesen Spagat, dass du beides haben kannst, das macht unsere Region so besonders.“

Portrait von Hans im Stehen.
Hans Knauß beim Fotoshooting im Falkensteiner Hotel Schladming. © Martin Schönbauer

Freundlichkeit versteht jeder

Als Vater von zwei Kindern weiß Knauß, dass Werte heute wichtiger sind denn je. „Wir sind sechs Kinder gewesen, aufgewachsen auf der Planai, ohne viel Luxus. Aber wir hatten ein intaktes Elternhaus. Und das war das Wichtigste. Wir haben gelernt, zu grüßen, Danke zu sagen und freundlich zu sein. Ich sag immer: Ich bin um die Welt gereist – und was dich wirklich weiterbringt, ist nicht dein Englisch, sondern deine Gestik, dein Lächeln. Freundlichkeit versteht jeder.“

Seine Kinder hat er nie gedrängt, in seine Fußstapfen zu treten. „Meine Tochter Nella ist einige Jahre Skirennen gefahren, hat sich jetzt aber auf Moderationen konzentriert. Mein Sohn Leo liebt die Landwirtschaft, den Wald, das Arbeiten daheim. Und ich bin froh, dass es junge Leute gibt, die da anpacken.“

Veränderung ist wichtig

Trotz aller Liebe zu Traditionen ist Knauß keiner, der am Gestern festhält. „Veränderung ist wichtig. Ich habe in meinem Leben oft etwas Neues begonnen. Ich bin dankbar, dass ich den Mut dazu habe. Der Satz ‚Früher war alles besser‘ – das stimmt einfach nicht. Veränderung gehört dazu. Und sie hält dich lebendig.“

Hans trinkt Tee bei einem Gespräch mit STEIRERIN-CR Lissi Stoimaier.
„Freundlichkeit bringt dich weiter als jede Sprache.“ – Hans Knauß © Martin Schönbauer

Zur Person

Hans Knauß, geboren 9. Februar 1971 in Schladming, ist ehemaliger Skirennläufer, Moderator, Autosportler und Unternehmer. Zu seinen Karriere­highlights im Skisport zählen zahlreiche Weltcupsiege sowie Medaillen bei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen. Heute arbeitet Knauß als TV-Kommentator für Skirennen und Moderator – unter anderem für die ORF-Sendung „Österreich vom Feinsten“. Wenn er nicht beruflich unterwegs ist, genießt er das Leben in seiner steirischen Heimat Schladming oder ist gerne mit dem Motorrad in der Südsteiermark unterwegs. Hans Knauß ist verheiratet mit Barbara und hat zwei Kinder – Tochter Nella und Sohn Leo.

Word-Rap

Mein schönster Moment auf der Piste war … der Kitzbühel-­Sieg 1999.

Erfolg ist für mich … wirklich schön, wenn ich ihn teilen kann.

Der Skisport hat mich gelehrt, dass … nichts von selbst geht. Disziplin ist alles.

Live im Fernsehen zu sein ist … aufregend.

Kritik sehe ich als … hilfreich – wenn sie konstruktiv ist.

Ich bin glücklich, wenn … es meiner Familie gut geht.

Meine größte Stärke ist … dass ich ein positiv denkender Mensch bin. Bei mir ist das Glas nie halb leer, sondern immer halb voll.

Meine größte Schwäche ist … dass ich oftmals nicht der Geduldigste bin.

Mein Traumauto ist … mein Audi RS6 – Sportwagen, Fami­lienauto und Freiheit auf vier Rädern.

Reisen ist für mich … erfüllend – aber der Jetlag wird immer schlimmer.

Veränderung ist … notwendig. Vor Veränderung sollte man sich nicht fürchten.

Ich wünsche mir, dass … wir unseren Mut behalten und unsere Werte nicht vergessen.

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Cover #stmk Steiermark-Special
© Shutterstock

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