Vermögen: Finanzielle Sicherheit ist kein Zufall
Im Gespräch zeigt Vermögensberaterin Vera Haberfellner auf, wie strategische Planung Frauen vor den stillen Risiken des Lebens schützt.
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Frau Haberfellner, was hindert Frauen heute am stärksten daran, Vermögen aufzubauen?
Vera Haberfellner: Es ist selten nur ein Faktor. In vielen Partnerschaften wird Finanzverantwortung noch immer automatisch dem Mann überlassen. Zwischen Care-Arbeit, Haushalt und oft Teilzeitjob bleibt wenig Zeit für die eigenen Finanzen. Das böse Erwachen kommt häufig erst in der Pension – oder früher, wenn eine Trennung oder Krankheit alles verändert. Genau deshalb ist es essenziell, dass Frauen sich selbst mit Vorsorge und Vermögensaufbau beschäftigen. Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet Lebensfreiheit. Wer sich nicht kümmert, begibt sich ungewollt in Abhängigkeit.
Welche Absicherung wird am meisten verdrängt – obwohl sie im Ernstfall alles entscheidet?
Ganz klar: die Berufsunfähigkeit. Niemand möchte sich vorstellen, durch Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten zu können. Viele verlassen sich auf das Sozialsystem – doch das hat Lücken. Wer klug ist, sorgt rechtzeitig vor. Es geht nicht um Angst, sondern um Verantwortung sich selbst gegenüber.
Warum wird Vorsorge so oft aufgeschoben?
Weil sie uns zwingt, über das Undenkbare nachzudenken. Und weil viele glauben, die staatliche Pension werde schon reichen. Doch die Realität zeigt: Vor allem Frauen sind von Altersarmut gefährdet. Lange Teilzeitphasen und eine höhere Lebenserwartung verschärfen die Situation. Wer heute nicht vorsorgt, riskiert morgen Einschränkungen. Gerade in jungen Jahren gibt es jedoch sehr attraktive und leistbare Möglichkeiten. Zeit ist dabei der stärkste Hebel.
Wie reduzieren Sie Komplexität in Ihrer Beratung?
Finanzen wirken oft komplizierter, als sie sind. Ich arbeite mit klaren Strukturen und einfachen Hebeln: Zeit, Regelmäßigkeit, Risiko, Steuern und Kosten. Am Anfang steht immer die Frage: Wie sieht Ihre Realität aus? Einkommen, Fixkosten, Verpflichtungen, Ziele. Darauf bauen wir Schritt für Schritt ein stabiles System auf, das Sicherheit gibt – und gleichzeitig Raum fürs Leben lässt. Meine Kundinnen sollen verstehen, was sie tun, und selbstbewusst entscheiden.

Ihr Motto lautet: Die Finanzen dem Leben anpassen – nicht umgekehrt. Was heißt das konkret?
Vermögensaufbau muss langfristig funktionieren und flexibel bleiben. Es gibt Phasen, in denen weniger möglich ist – und Phasen, in denen man aufholen kann. Mein Ansatz ist nicht Verzicht um jeden Preis. Niemand soll heute auf Lebensqualität verzichten, um irgendwann unabhängig zu sein. Es geht darum, Gegenwart und Zukunft in Balance zu bringen. Oft findet sich finanzieller Spielraum in laufenden Kosten, Verträgen oder ungenutzten Potenzialen – manchmal auch beim Einkommen selbst.
Sie sprechen Gehaltsverhandlungen an?
Ja. Viele Frauen verhandeln seltener oder vorsichtiger – und bleiben dadurch unter ihrem Wert. Das wirkt sich langfristig massiv aus. Ein höheres Einkommen bedeutet mehr Sicherheit und mehr Gestaltungsspielraum. Wer Leistung bringt, darf das auch einfordern – gut vorbereitet und faktenbasiert. Auch Arbeitsmodelle können Teil der Verhandlung sein. Flexible Lösungen ermöglichen oft mehr Stunden oder Verantwortung, ohne dass das Privatleben leidet.
Viele junge Frauen investieren bereits selbst in ETFs. Macht Sie das optimistisch?
Absolut. Ich begrüße es sehr, wenn Frauen sich aktiv mit Investments beschäftigen. ETFs sind hervorragende Instrumente für den langfristigen Vermögensaufbau – mit einem Horizont von mindestens zehn Jahren. Wichtig ist jedoch die richtige Strategie. Steuerliche Rahmenbedingungen, Risikostreuung und individuelle Ziele werden online oft nicht ausreichend berücksichtigt. Gute Beratung sorgt dafür, dass Investments wirklich zur eigenen Lebensplanung passen.
Ihr wichtigster Tipp zum Schluss?
Starten Sie jetzt. Der beste Zeitpunkt war gestern, der zweitbeste ist heute. Warten kostet Vermögen – Handeln schafft Freiheit. Holen Sie sich Unterstützung bei jemandem, bei dem Sie sich sicher und ernst genommen fühlen. Auf Augenhöhe. Ohne Druck. Finanzielle Selbstbestimmung beginnt mit einer Entscheidung: sich selbst wichtig zu nehmen.
Persönliche Tipps zum Vermögen
von Vermögensberaterin Vera Haberfellner
- Prüfen Sie Ihr Pensionskonto
Sehen Sie sich Ihre letzte Pensionsinformation bewusst an. Nicht interpretieren, sondern verstehen: Welche Zahl steht dort – und reicht sie für Ihr gewünschtes Leben? - Analysieren Sie Ihre Fixkosten
Streamingdienste, Abos, Verträge: Streichen Sie alles, was Sie nicht aktiv nutzen.
Jeder frei gewordene Betrag kann strategisch für Vorsorge eingesetzt werden. - Vereinbaren Sie ein Erstgespräch
Wochenlange Recherche ersetzt kein qualifiziertes Gespräch. Ziel ist nicht Perfektion, sondern ein klarer Startpunkt und ein Überblick über Ihre Optionen und das Vermögen.
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