Vorsorge ohne Angst

Zeit, hinzusehen

4 Min.

© Martin Schönbauer

Radiologin Sabine Schwarz-Oswald über Vorsorge ohne Angst, moderne Brustdiagnostik und warum frühes Handeln so viel verändern kann.

Pink Ribbon steht für Bewusstsein – und dafür, Brustgesundheit nicht erst dann zum Thema zu machen, wenn Beschwerden auftreten. Für Dr. Sabine Schwarz-­Oswald ist Früherkennung deshalb weit mehr als eine Untersuchung: Es geht darum, Frauen Sicherheit zu geben, Ängste ernst zu nehmen und Veränderungen möglichst früh zu erkennen.

Frau Dr. Schwarz-Oswald, warum ist Früherkennung bei Brustkrebs so entscheidend?
Sabine Schwarz Oswald: Je früher wir Brustkrebs diagnostizieren, desto weniger fortgeschritten ist die Erkrankung in den meisten Fällen. Dadurch sind häufig auch weniger aggressive Therapien notwendig und die Heilungschancen sind entsprechend besser. Man kann daher gar nicht oft genug betonen, wie wichtig regelmäßige Früherkennung ist.

Wann sollten Frauen beginnen, sich mit Brustkrebsvorsorge auseinanderzusetzen?
Grundsätzlich können Frauen ab dem 40. Lebensjahr am österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm teilnehmen. Für Frauen zwischen 45 und 74 Jahren ist die e-card automatisch alle zwei Jahre dafür freigeschaltet. Bei Auffälligkeiten oder einer familiären beziehungsweise genetischen Vorbelastung muss man die Situation individuell betrachten. Hier kann eine frühere und engmaschigere Vorsorge sinnvoll sein.

Viele Frauen haben Angst vor der Mammografie. Was möchten Sie ihnen mitgeben?
Diese Sorge erlebe ich häufig. Natürlich wird bei einer Mammografie ein gewisser Druck auf die Brust ausgeübt, aber die Untersuchung ist gut auszuhalten. Viele Patientinnen sind nach ihrer ersten Mammografie sogar überrascht und sagen, dass sie es sich wesentlich unangenehmer vorgestellt haben. Mir ist wichtig, Frauen diese Angst zu nehmen.

Auch die Technik hat sich weiterentwickelt. Was verändert die neue Gerätegeneration?
Mit unserem neuen Mammografie­gerät von Fuji ist deutlich weniger Kompression notwendig. Das macht die Untersuchung für die Patientinnen wesentlich angenehmer. Gerade wenn Frauen bisher schlechte Erfahrungen gemacht haben oder sich deshalb unsicher sind, kann das viel ausmachen.

In Ihrer Ordination ergänzen Sie die Mammografie durch einen Ultraschall. Warum?
Mammografie und Ultraschall ergänzen einander sehr gut. Der zusätzliche Ultraschall ermöglicht uns einen weiteren Blick auf das Brustgewebe und kann besonders bei dichtem Brust­gewebe wertvolle Zusatzinformationen liefern. Mir ist wichtig, die Brust möglichst umfassend zu beurteilen und die Untersuchung auf die jeweilige Patientin abzustimmen.

Denn nicht jede Frau bringt dieselben Voraussetzungen mit …
Genau. Alter, Brustdichte, hormonelle Situation oder auch die familiäre Vorgeschichte spielen eine Rolle. Vorsorge sollte deshalb nie nur nach einem starren Schema betrachtet werden. Für mich steht immer die einzelne Frau im Mittelpunkt: Was braucht sie, welche Vorgeschichte bringt sie mit und welche Untersuchungen sind in ihrer Situation sinnvoll?

Wann wird eine familiäre Vorbelastung besonders relevant?
Wenn Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie gehäuft oder bereits in jungen Jahren aufgetreten ist, sollte man das unbedingt mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. In bestimmten Fällen ist auch eine genetische Beratung sinnvoll. Bei nachgewiesen hohem erblichem Risiko beginnt die Früherkennung deutlich früher und erfolgt engmaschiger.

Behandlungsraum
© Martin Schönbauer

Kann man über die Vorsorge hi­naus selbst etwas für die Brustgesundheit tun?
Ein gesunder Lebensstil ist grundsätzlich wichtig: regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Übergewicht möglichst vermeiden und nicht rauchen. Mindestens genauso wichtig finde ich aber, auf den eigenen Körper zu achten und Veränderungen ernst zu nehmen. Frauen kümmern sich im Alltag oft um sehr vieles und um viele andere Menschen. Die eigene Gesundheit sollte dabei nicht zu kurz kommen.

Sie unterstützen seit vielen Jahren die Pink-Ribbon-Initiative. Was wünschen Sie sich im Sinne von Pink Ribbon von den Frauen?
Dass sie keine Angst vor der Vorsorge haben und sich selbst wichtig nehmen. Pink Ribbon schafft Aufmerksamkeit für ein Thema, das das ganze Jahr über relevant ist. Mein Appell ist ganz einfach: Nehmen Sie sich Zeit für sich und für Ihre Gesundheit. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Früherkennung. Denn je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Behandlungsmöglichkeiten.

Weitere Informationen finden Sie auf www.dr-schwarz-oswald.at

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