Christa Kummer: Niemals ohne High Heels
Ein Interview über Rollenbilder, mediale Wahrnehmung und warum ein Schuh manchmal mehr über eine Gesellschaft verrät als über Mode.
Christa Kummer
Seit mehr als drei Jahrzehnten prägt Christa Kummer die österreichische Medienlandschaft. Die Geowissenschafterin, Theologin, Moderatorin und Romy-Preisträgerin begann ihre journalistische Laufbahn 1994 beim ORF und wurde 1995 als erste Frau zur Stimme und zum Gesicht des Wetters im österreichischen Fernsehen.
Über 30.000 Sendungen später ist sie nicht nur eine der bekanntesten Wetterexpertinnen des Landes, sondern auch gefragte Vortragende zu den Themen Klimawandel und gesellschaftlicher Wandel. In ihrem neuen Buch „Nicht ohne meine High Heels“ verbindet sie persönliche Anekdoten mit historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Betrachtungen über ein oft unterschätztes Symbol: den High Heel.
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In Ihrem neuen Buch „Nicht ohne meine High Heels“ erzählen Sie von Ihrem ikonischen Auftritt im Fernsehen. Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Ihre Schuhe Teil Ihrer „Marke“ werden?
Christa Kummer: Im Buch gibt es nur ein paar persönliche Anekdoten. Einen einzelnen ikonischen Auftritt hat es genau genommen nie gegeben, denn Stöckelschuhe haben in meinem Leben immer schon eine modische Rolle gespielt. Zum großen Thema wurden sie allerdings erst, als man mich im Fernsehen erstmals vom Scheitel bis zur Sohle sehen konnte. Ich war damals schon sehr verwundert, dass meine Schuhe plötzlich mehr Thema waren als das Wetter. Im Laufe der Zeit wurde der High Heel dann auch bewusst modisch inszeniert – und scheinbar ist es gut angekommen.

Sie schreiben, dass High Heels mehr über Haltung als über Mode erzählen können und nicht nur ein weibliches Thema sind. Was genau meinen Sie damit im gesellschaftlichen Kontext?
High Heels sind weit mehr als ein modisches Accessoire. Im Laufe der Geschichte waren sie Ausdruck von Körperhaltung, Selbstinszenierung und sozialer Rolle. Wer sie trägt, beeinflusst bewusst oder unbewusst seine Präsenz, Autorität und Wahrnehmung im öffentlichen Raum. Im gesellschaftlichen Kontext betrachtet zeigt das, wie stark Kleidung und Körperhaltung mit Macht, Geschlechterbildern und Erwartungen verknüpft sind. Dass High Heels keineswegs ausschließlich ein weibliches Thema sind, zeigt uns die Geschichte – denn dieser Schuh war bis ins 18. Jahrhundert ein zutiefst männliches Thema.
Gab es eine Panne im Studio, die Sie heute rückblickend besonders humorvoll finden? Oder einen Moment, in dem Sie innerlich lachen mussten, äußerlich aber professionell bleiben mussten?
Immer wieder. Genau das macht den Reiz einer Livesendung aus: Man weiß, dass man etwas nur einmal sagen kann und in Sekundenbruchteilen spontan reagieren muss. Diese Flexibilität war definitiv eine meiner Stärken, weil ich nie an auswendig gelernten Texten kleben musste. Da gab es Mikros, die während der Sendung aus meinem Kleid gerutscht sind, Schuhe, die es mir live auf Sendung ausgezogen hat, weil ich im Studioteppich hängen geblieben bin, oder Kameras, die mir buchstäblich davongefahren sind. Und ja, Lachanfälle gab es natürlich auch – aber deren Hintergründe würden hier wohl den Rahmen sprengen.
Gibt es ein Vorurteil über Sie, das Sie im Laufe Ihrer Karriere oft widerlegen mussten?
Oh ja! Wobei ich es weniger als Vorurteil bezeichnen würde, aber die Bezeichnung „Wetterfee“ fand und finde ich bis heute immer noch diskriminierend. Ich weiß, dass die Menschen es nicht böse meinen, dennoch fühlt man sich als Wissenschaftlerin nicht als „Märchenfigur“. Daher versuche ich es auch immer liebevoll klarzustellen.
Sie sprechen im Buch auch über Erwartungen an Frauen im öffentlichen Raum. Welche Erwartung hat Sie persönlich am meisten beschäftigt oder motiviert?
Die Erwartung an mich selbst. Ich bin ein sehr disziplinierter Mensch und habe oft hohe Ansprüche – auch an mich selbst. Das kann durchaus herausfordernd sein. Motiviert hat mich immer die Haltung: Geht nicht, gibt’s nicht. Die lehrreichsten Momente waren allerdings jene, in denen etwas nicht gelungen ist. Oft erkennt man erst Jahre später, warum man für eine Niederlage sogar dankbar sein kann.
Können Sie sich an besonders humorvolle oder absurde Beschwerden über Wetterprognosen erinnern? Wurden Sie jemals persönlich für das Wetter verantwortlich gemacht?
Ja, besonders während des Hochwassers in Niederösterreich im Jahr 2002. Damals haben tatsächlich Menschen – teilweise sehr aggressiv – in der Redaktion angerufen und gefordert: „Stellen Sie sofort den Regen ab!“ Auch während sommerlicher Hitzewellen wurden die Beschwerden mitunter sehr emotional.
Welche drei Wetterbegriffe würden Sie verwenden, um sich selbst zu beschreiben?
Sonnig, ab und zu auch heiter bis wolkig – und gelegentlich mit stürmischen Einlagen.
Hat sich die Art der Kritik im Laufe der Jahre verändert? Wie gehen Sie persönlich mit Kritik um?
Natürlich. Durch Social Media sind die Menschen viel näher an öffentlichen Personen dran. Der Informationsfluss und auch die Kritik verbreiten sich schneller. Dennoch muss ich betonen, dass negative Kritik in meiner Laufbahn eher die Ausnahme war. Wenn Kritik kam, bezog sie sich meist auf Modefragen und weniger auf das Wetter. Konstruktive Kritik empfinde ich als Bereicherung.
In Ihrem Buch steckt viel Leichtigkeit, aber auch gesellschaftliche Tiefe. Welche Botschaft möchten Sie Ihren Leser:innen mitgeben?
Mir war wichtig zu zeigen, dass es im Leben immer um Haltung geht: um eine aufrechte Körperhaltung, vor allem aber um eine innere Haltung. Eine eigene Meinung zu haben und diese auch dann zu vertreten, wenn einem der Wind entgegenbläst. Deshalb freut es mich besonders, dass das Buch zu einem gesellschafts- und sozialpolitischen Werk mit Augenzwinkern geworden ist. Haltung zu zeigen scheint heute oft an Bedeutung zu verlieren. Vielleicht kann ausgerechnet ein scheinbar unbedeutender Schuh wie ein High Heel zum Denkanstoß werden.
BUCHTIPP:

NIEMALS OHNE HIGH HEELS
Herausgeber: Buchverlag Edition Platin
Autorin: Christa Kummer
Seitenzahl: 224 Seiten
ISBN-13 : 978-3903538436
Preis: 27,00 €
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Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.
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