Symbolbild: Schatten einer Frau mit Faust in der Luft

“Digital ist nicht egal”: Volksbegehren gegen digitale sexualisierte Gewalt gestartet

Drei Frauen rufen Initiative ins Leben

4 Min.

Symbolbild © Miguel Bruna / Unsplash

Pornografische Deepfakes, Identitätsmissbrauch, die nicht einvernehmliche Verbreitung intimer Bilder oder digitale sexuelle Übergriffe nehmen rasant zu – gleichzeitig bleiben viele Betroffene ohne ausreichenden Schutz und die Mehrheit der Fälle unsichtbar. Mehr als 90 Prozent digitaler Gewalt werden laut Dunkelfeldstudien nicht angezeigt. Gleichzeitig stieg die Zahl KI-generierter kinderpornografischer Inhalte allein im ersten Halbjahr 2025 um 400 Prozent. Drei Frauen haben deshalb mit der Initiative „Digital ist nicht egal“ ein Volksbegehren gestartet, um digitale sexualisierte Gewalt in Österreich wirksamer zu bekämpfen.

Digitalisierte Gewalt ist längst kein Randphänomen mehr

„400 Prozent mehr KI-generierte kinderpornografische Inhalte in nur sechs Monaten. Die Tools entwickeln sich schneller, als unser Rechtssystem hinterherkommt“, sagt Initiatorin und Sprecherin Hana Greiner. Digitale sexualisierte Gewalt sei längst kein Randphänomen mehr, sondern betreffe Menschen in unterschiedlichsten Formen, von pornografischen Deepfakes über Sextortion (Erpressung mit der Drohung, intime Bilder oder Videos zu veröffentlichen) bis hin zur Verbreitung intimer Inhalte ohne Zustimmung der Betroffenen. „Ein Delikt, das sich durch Digitalisierung und KI-Anwendungen derart häuft, braucht einen klaren rechtlichen Rahmen“, so Greiner.

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Besonders betroffen seien Frauen und Mädchen: Rund 99 Prozent pornografischer Deepfakes zeigen weiblich gelesene Personen. Die Initiatorinnen sehen deshalb dringenden politischen Handlungsbedarf. Zwar müsse Österreich die EU-Gewaltschutzrichtlinie 2024 bis spätestens 2027 umsetzen, das Volksbegehren soll jedoch sicherstellen, dass Schutzmaßnahmen nicht auf ein Minimum reduziert werden.

Initiatorin Hana Greiner im Talk

Wie kam es zu der Idee?
Hana Greiner: “Im letzten Jahr haben sich die Meldungen zu Fällen von digitaler Gewalt gehäuft – ganz speziell in Bezug auf sexualisierte Gewalt. Die Opfer sind zu einem großen Teil Frauen und Mädchen. Gleichzeitig haben wir durch unsere Arbeit im Digitalbereich gemerkt, wie sehr wir gerade von AI-Tools überrollt werden. Dass mit dem Boom von AI auch die Zahl der sexualisierten Gewalt im digitalen Raum schlagartig zunimmt, ist kein Zufall. Eines Morgens standen wir gemeinsam in der Büro-Küche und haben entschlossen: Wir wollen da nicht mehr ohnmächtig zuschauen. Wir wollen uns nicht vorwerfen müssen, nichts getan und nur schockiert den Kopf geschüttelt zu haben. Wir haben Skills, die wir nutzen können. Vor allem aber haben wir Wut. Unterschätze nie das Potenzial und die Produktivität wütender Frauen!” 

Warum braucht es diese Initiative?
“Wir stehen aktuell an einem ganz großen Meilenstein in der digitalen Entwicklung. KI ist ein wahnsinniger Effizienzboost. Leider auch im kriminellen Bereich. Die Qualität der Inhalte entwickelt sich in einer sagenhaften Geschwindigkeit weiter, selbst für geübte Augen wird es immer schwieriger, KI-generierte Inhalte zu erkennen. Die Werkzeuge sind außerdem niederschwellig zugänglich. Diese technische Entwicklung trifft auf eine gesellschaftliche: Die Manosphere und die „Incel“-Community wächst, und damit der Hass auf und die Gewalt gegen Frauen. Die Fälle von sexuellen Übergriffen, Belästigungen bis hin zu Femiziden häufen sich. Dass eine Eskalation von Misogynie und ein immer leichterer Zugang zu hochpotenten KI-„Waffen“ eine hochexplosive Mischung ist, liegt auf der Hand.” 

Bis wann unterschreiben und wie viele Unterschriften?
“Ab 100.000 Unterschriften muss das Volksbegehren verpflichtend im Nationalrat behandelt werden. Das heißt unser erklärtes Ziel sind mindestens 100.000 Unterschriften. Die Frist dafür ist Dezember 2027. Aber auf Grund der schnellen Entwicklung und der Frist für die Implementierung der EU-Richtlinie haben wir größtes Interesse daran, das Volksbegehren noch dieses Jahr in den Nationalrat zu bringen. Unterschreiben kann man auf jedem Gemeindeamt (es muss nicht das des Hauptwohnsitzes sein!) oder online mit der ID Austria auf oesterreich.gv.at (Tipp: Besser am Desktop als am Handy machen, hier kommt es leider oft zu technischen Fehlern).”

Das Volksbegehren im Überblick

Das Volksbegehren fordert drei konkrete Maßnahmen:

  • Einen eigenen Straftatbestand im Strafgesetzbuch
  • Die gesetzliche Verankerung von Beratungsstellen für Betroffene
  • Niedrigschwellige und digitale Möglichkeiten zur Anzeigenstellung

Ziel sei es, bestehende Schutzlücken zu schließen und das Rechtssystem an eine Realität anzupassen, in der digitale Übergriffe durch neue Technologien und KI-Anwendungen massiv zunehmen.

Mehr Infos zum Volksbegehren findet ihr unter www.digitalnichtegal.at oder auf Instagram @digital.nichtegal

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