Drei Frauen sitzen gemeinsam auf einem Sofa. Die mittlere schaut auf ihren Laptop, die anderen lächeln.

Work Besties: So wichtig sind Freundschaften am Arbeitsplatz

In guten wie in stressigen Zeiten

10 Min.

© Pexels/ Olia Danilevich

Gute Kolleg:innen sind echte Verbündete. Sie teilen Frust, Erfolge und manch chaotischen Montagmorgen. Warum Freundschaften am Arbeitsplatz so wichtig sind.

Während der Valentinstag ganz traditionelle Liebesgeschichten feiert, gibt es im Februar noch einen anderen, vielleicht unterschätzten Anlass zum Innehalten: Galentine’s Day am 13. Februar. Ursprünglich als Tag für Frauenfreundschaften gedacht, erinnert er heute daran, wie wertvoll platonische Beziehungen sind. Seinen Ursprung hat der Feiertag in der Popkultur, genauer gesagt in der US-amerikanischen Serie „Parks & Recreation“, in der Frauen ihre Freundinnen mit Frühstück, kleinen Gesten und viel Humor feierten. Inzwischen wird Galentine’s Day weltweit als Anlass genutzt, um Freundschaften aller Art sichtbar zu machen. Und das gilt nicht nur privat, sondern auch im Büro. Ein Blick auf die moderne Arbeitswelt zeigt: Freundschaften am Arbeitsplatz werden zunehmend zur Kulturfrage.

Denn klar ist: Wir arbeiten durchschnittlich etwa 34 Stunden pro Woche (inklusive Teilzeit) und verbringen einen Großteil unseres Lebens im Job – oft mehr Zeit als mit Freund:innen oder mit der Familie zuhause. Deshalb verwundert es nicht, dass Arbeitsfreundschaften weit über Smalltalk in der Kaffeeküche hinausgehen und für unser Wohlbefinden und unsere Arbeitszufriedenheit mehr bedeuten können, als man auf den ersten Blick vermutet.

Better together

Wie das in der Praxis aussehen kann, erzählt Raphaela, Lektorin, über ihre ersten Wochen im Job: „Ich war noch dabei, die Abläufe zu verstehen, und plötzlich landete ich bei einem Projekt mit Leonie (Name geändert). Was zunächst nur nach Arbeit aussah, wurde schnell viel mehr. Wir lachten über dieselben absurden E-Mails, teilten Frust über gescheiterte Projekte und halfen uns gegenseitig, wenn Deadlines uns in Panik versetzten. Auch privat verbrachten wir immer mehr Zeit miteinander, und selbst als sich unsere beruflichen Wege trennten, blieb die Freundschaft bestehen.“

Solche engen Bindungen, die manche als Work Besties bezeichnen oder im deutschsprachigen Raum auch Frolleg:innen nennen, also Freund:innen, die zugleich Kolleg:innen sind, sind mehr als bloße Kollegialität. Sie verstehen die Dynamiken des Arbeitsplatzes und bieten emotionale Stabilität, die oft überraschend wirksam ist. Tatsächlich zeigt eine Umfrage des willhaben-Jobmarktplatzes: Drei Viertel der Beschäftigten haben im aktuellen Job eine oder mehrere Freundschaften geschlossen. Auffällig: Frauen scheinen dabei etwas leichter Kontakte zu knüpfen als Männer.

Warum Work Besties eine Generationenfrage sind

Die aktuelle Arbeitswelt ist geprägt von Unsicherheiten: Häufige Jobwechsel, wirtschaftliche Schwankungen und hohe Anforderungen setzen vielen zu. Gerade junge Beschäftigte erleben Druck und Zukunftsängste, oft parallel zu einem Gefühl gesellschaftlicher Isolation. In diesem Umfeld gewinnen enge Arbeitsfreundschaften an Bedeutung. Laut des deutschen Randstad-Arbeitsbarometers hat rund ein Drittel der Generation Z bereits einen Job gewechselt, weil das freundschaftliche Miteinander fehlte. Zum Vergleich: Unter den Baby-Boomern waren es nur zwölf Prozent. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass 77 Prozent der jungen Mitarbeitenden schon einmal Einsamkeit am Arbeitsplatz erlebt haben und 60 Prozent sich engere Kontakte zu Kolleg:innen wünschen, um sich im Job besser aufgehoben zu fühlen. Doch egal ob Berufseinsteiger:in oder langjährige:r Profi: Die Vorteile starker Arbeitsfreundschaften wirken generationsübergreifend.

Gute Kolleg:innen verbessern das Arbeitsklima

Arbeitspsychologin Veronika Jakl erklärt, warum solche Bindungen mehr sind als nettes Beiwerk: „Ein positives Sozialklima am Arbeitsplatz wirkt wie ein Puffer gegen berufliche Belastungen. Wer sich verstanden fühlt, kann besser mit Stress umgehen, bleibt motivierter und entwickelt mehr Kreativität.“ Diese Effekte lassen sich nicht nur subjektiv spüren Auch Zahlen aus dem Randstad-Arbeitsbarometer unterstreichen das: 82 Prozent der Befragten sagen, dass ein starkes Gemeinschaftsgefühl nicht nur produktiver macht, sondern auch der mentalen Gesundheit guttut. Beschäftigte mit starken Freundschaften am Arbeitsplatz fühlen sich auch stärker mit ihrem Unternehmen verbunden, was in der Regel dazu führt, dass sie länger bleiben. Wie eine LinkedIn-Umfrage zeigt, gibt mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer:innen an, dass die Kolleg:innen der wichtigste Grund sind, im aktuellen Job zu bleiben. Nicht Gehalt, nicht Titel, sondern das soziale Umfeld hält Menschen in Unternehmen.

Arbeitsfreundschaften bieten Raum für Ideen

Gerade in Phasen hoher Arbeitsdichte oder bei komplexen Projekten zeigt sich der Wert solcher Beziehungen. Wer sich kennt und schätzt, fragt eher nach Hilfe, bevor ein Problem eskaliert, und bietet Unterstützung an, ohne dass darum gebeten werden muss. Das beschleunigt Prozesse, reduziert Reibungsverluste und sorgt dafür, dass sich niemand allein durch schwierige Aufgaben kämpfen muss. Auch Konflikte verlaufen in solchen Teams oft konstruktiver, weil Kritik nicht als Angriff, sondern als Teil einer gemeinsamen Anstrengung verstanden wird.

Dieser soziale Kitt wirkt sich auch auf die kreative Seite der Arbeit aus. In einem Umfeld, in dem man sich sicher fühlt, fällt es leichter, unausgereifte Ideen laut auszusprechen oder ungewöhnliche Gedanken zu teilen. Kolleg:innen, die sich freundschaftlich verbunden fühlen, gehen eher das Risiko ein, etwas Neues vorzuschlagen, weil sie wissen, dass sie nicht sofort belächelt oder abgewertet werden. Viele der besten Einfälle entstehen genau in diesen informellen Momenten, beim gemeinsamen Mittagessen, beim kurzen Gespräch in der Kaffeeküche oder in einem Chatfenster, in dem ein Gedanke spontan geteilt wird. Freundschaften schaffen Räume, in denen Neugier und Experimentierfreude wachsen können.

Teamwork makes the dream work

Dass diese Dynamik nicht nur das Wohlbefinden steigert, sondern auch messbare wirtschaftliche Effekte hat, zeigen Studien, unter anderem von Gallup. Teams mit starken zwischenmenschlichen Beziehungen arbeiten erfolgreicher, erzielen höhere Umsätze, berichten von größerer Arbeitszufriedenheit und zeigen bessere Arbeitssicherheit. Wo Menschen aufeinander achten, passieren weniger Fehler, und offene Kommunikation hilft, Risiken früh zu erkennen. Freundschaften am Arbeitsplatz sind damit kein nettes Extra, sondern ein echter Leistungsfaktor. Auch Kund:innen profitieren davon. Teams, die gut miteinander auskommen, treten geschlossener auf, reagieren flexibler auf Probleme und vermitteln nach außen Verlässlichkeit. Eine positive interne Kultur überträgt sich also direkt auf die Wahrnehmung des Unternehmens.

Viele dieser Beziehungen wirken über den Job hinaus. Freundschaften, die im Büro entstehen, enden nicht automatisch mit einem Jobwechsel. Oft entwickeln sie sich zu langfristigen Verbindungen, die berufliche Übergänge erleichtern und neue Perspektiven eröffnen. Wer ein Netzwerk aus Menschen hat, die einen fachlich und menschlich schätzen, bewegt sich sicherer im Arbeitsmarkt. Empfehlungen, Hinweise auf offene Stellen oder ehrliche Einschätzungen aus vertrauter Quelle können entscheidend sein.

Wann Work-Life-Balance wichtig wird

So wertvoll Work Besties auch sind, sie bringen auch ihre eigenen Herausforderungen mit. Wer sich sehr nahekommt, riskiert, dass private Loyalitäten berufliche Entscheidungen beeinflussen. Arbeitspsychologin Veronika Jakl sieht vor allem dann Spannungen, wenn Freundschaften über Hierarchieebenen hinweg entstehen. In solchen Fällen können Loyalität und Professionalität leichter in Konflikt geraten. Auch Beförderungen, neue Rollen oder Projektwechsel verändern die Dynamik, und Kolleg:innen, die sich außen vor fühlen, reagieren mitunter mit Distanz oder Neid.

Hinzu kommt, dass sich durch digitale Kanäle die Grenzen zwischen Job und Privatleben weiter verschoben haben. WhatsApp-Gruppen, kurze Sprachnachrichten oder spontane Treffen nach Feierabend halten den Kontakt aufrecht, machen es aber auch schwerer, wirklich abzuschalten. „Was sich definitiv verändert hat, sind die Kontaktmöglichkeiten. Heute kann man schnell etwas ausmachen, sich Memes schicken oder Gedanken teilen. Das erleichtert den Austausch enorm. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass die Arbeit nicht alles dominiert“, sagt Veronika Jakl. Klarheit über Rollen und Erwartungen hilft dabei, Nähe zuzulassen, ohne dass sie zur Belastung für das Team wird.

Einfach mal Danke sagen

Unternehmen können Freundschaften nicht erzwingen, aber sie können gute Bedingungen schaffen, damit sie entstehen. Wo es Räume für Austausch gibt, wo Zusammenarbeit nicht nur aus To-do-Listen besteht und wo man einander auch als Mensch begegnen darf, wachsen Beziehungen, die über Projekte hinausgehen. Solche Kulturen zahlen sich aus – im wahrsten Sinne des Wortes –, weil sie Loyalität, Motivation und letztlich auch bessere Arbeit fördern. Und das wirkt sich nicht nur auf das Unternehmen aus.

Auch für uns selbst macht es einen großen Unterschied: Freundschaften im Job tragen durch stressige Phasen, fangen Frust auf und verwandeln Arbeit in mehr als bloßes Abarbeiten von Aufgaben. Vielleicht schieben wir dieses Jahr eine kleine Aufmerksamkeit über den Schreibtisch der Kollegin, die immer den Montag rettet, oder schicken dem Kollegen, der in chaotischen Zeiten den Überblick behält, ein kurzes Dankeschön. Ein Galentine’s Gruß an die Menschen, die den Arbeitsalltag ein Stück leichter, lustiger und menschlicher machen. Natürlich gilt wie bei allen guten Beziehungen: Man sollte sie das ganze Jahr über pflegen. Aber ein kleiner Reminder schadet auch den besten (Arbeits-)Freundschaften nicht.

Drei Frauen geben sich ein High Five
© Pexels/ Olia Danilevich

Wie stark ist Ihr Work-Bestie-Bond?

Man verbringt oft mehr Zeit mit Kolleg:innen als mit manchen Freund:innen. Umso spannender ist die Frage, wie eng diese besondere Arbeitsfreundschaft wirklich ist. Wie gut kennen Sie sich, wie sehr unterstützen Sie einander und wie viel Leichtigkeit bringt Ihr Work Bestie in Ihren Arbeitsalltag? Finden Sie heraus, wie stark Ihre Verbindung ist.

Ihr Work Bestie kommt nach einem Meeting zurück und sieht genervt aus. Wie reagieren Sie?

a) Sie schicken ein Kaffee-Emoji oder eine kurze Nachricht, um zu checken, ob Gesprächsbedarf besteht.
b) Sie hören zu, nicken verständnisvoll und fragen, ob Sie irgendwie unterstützen können.
c) Sie machen einen kleinen, humorvollen Kommentar über das Meeting, um die Stimmung zu lockern.

Mittagspause! Nur 15 Minuten, allen knurrt vor Hunger der Magen. Wie machen Sie es?

a) Sie besprechen kurz die Optionen und treffen dann selbst eine schnelle, klare Entscheidung.
b) Sie diskutieren kurz, wägen ab und entscheiden dann gemeinsam.
c) Sie improvisieren spontan – Hauptsache, Sie essen zusammen.

Bei der Weihnachtsfeier …

a) Haben Sie vorher schon die Sitzplätze klar gemacht – unbedingt nebeneinander!
b) Kommen Sie im Partnerlook oder mit kleinen, abgestimmten Accessoires.
c) Lassen Sie alles auf sich zukommen und mischen sich durchs Team.

Ihr Work Bestie geht auf Urlaub. Wie halten Sie Kontakt?

a) Alles ist vorbereitet, Aufgaben laufen weiter – Sie sind gut abgestimmt.
b) Sie schicken häufig Nachrichten und Fotos. Die Sehnsucht ist einfach zu groß.
c) Sie genießen die Pause voneinander – erst nach dem Urlaub wird wieder gequatscht.

Ihr Work Bestie hat die letzte Packung Snacks erwischt. Sie …

a) Nehmen es gelassen und greifen zu etwas anderem.
b) Necken ihn oder sie frech, aber freundlich.
c) Tun so, als wären Sie empört – innerlich müssen Sie aber lachen.

Auswertung: So stark ist Ihre Freundschaft im Job

Meistens a:

stark & strukturiert
Sie sind ein echtes Power-Duo: Sie kennen sich gut, unterstützen sich aktiv und sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft. Ihr Freundschaft ist praktisch, zuverlässig und funktioniert auch unter Stress. Bonus: Sie sind ein unschlagbares Team bei Deadlines und Projekten.

Meistens b:

eng & loyal
Ihr Freundschaft ist emotional stark: Sie hören einander zu, unterstützen sich und sind füreinander da. Es ist nicht nur Arbeit – es ist Vertrauen und Freundschaft. Vorteil: Sie haben ein stabiles Fundament, auf das Sie sich immer verlassen können.

Meistens c:

locker & humorvoll
Ihr Verbindung lebt von Spaß, Spontaneität und Leichtigkeit. Auch wenn der Alltag chaotisch wird, sorgen Sie gemeinsam dafür, dass er meisterbar bleibt – oft mit Humor. Vorteil: Sie machen Arbeit zu mehr als nur To-do-Listen und Deadlines.

Gleichstand:

Sie sind ein perfektes Mix-Team: organisiert, loyal und humorvoll – der Traum jeder Arbeitsbeziehung!

Abo

Immer TOP informiert: Mit dem Print-Abo der STEIRERIN – ob als Geschenk, oder für dich selbst!

×