Lissi Stoimaier

Editorial März 2026

STEIRERIN-Chefredakteurin Lissi Stoimaier mit ein paar Gedanken zum internationalen Weltfrauentag.

1 Min.

© Marija Kanizaj

Es ist 2026. Und wir führen dieselben Gespräche – nur mit neuen Schlagworten. Equal Pay. Female Empowerment. Selfcare. Klingt progressiv. Ist es auch. Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack: Wenn alles so modern ist, warum fühlt sich Gleichstellung dann immer noch wie ein Zukunftsprojekt an?

„Aber es hat sich doch so viel getan!“ Natürlich. Frauen gründen Unternehmen, führen Konzerne, regieren Länder. Und trotzdem verdienen sie im Schnitt weniger. Investoren finanzieren Start-ups mit Männernamen auf dem Pitchdeck großzügiger. Care-Arbeit? Wird noch immer überwiegend von Frauen übernommen – organisiert, unsichtbar, selbstverständlich. Gleichzeitig diskutieren wir darüber, ob Mütter „zu ehrgeizig“ sind oder kinderlose Frauen „zu egoistisch“. Als gäbe es für weibliche Lebensentwürfe weiterhin eine stille Checkliste: erfolgreich, aber bitte nicht dominant. Selbstbewusst, aber sympathisch. Ambitioniert, aber bitte nicht unbequem.

Wenn alles so modern ist, warum fühlt sich Gleichstellung immer noch wie ein Zukunftsprojekt an?

STEIRERIN-Chefredakteurin Lissi Stoimaier

Dass unser Cover in dieser Ausgabe Audrey Hepburn ziert, passt in dieses Spannungsfeld: Als international gefeierte Schauspielerin und spätere UNICEF-Botschafterin zeigte sie mit ihrer Präsenz auf der Leinwand Frauenfiguren als neugierig, eigenständig und nicht bloß Accessoire ihrer Geschichten.

Feminismus stellt unbequeme Fragen: Wer wird gehört? Wer wird wie bezahlt? Wer wird übersehen? Der Weltfrauentag am 8. März ist deshalb kein bloßer Kalendereintrag. Er ist ein Realitätscheck. Und bis wir aufhören können, über Gleichstellung zu diskutieren, weil sie selbstverständlich geworden ist, bleibt der Weltfrauentag kein Symbol – sondern eine Notwendigkeit.

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